Eine Pause machen: 9 Tipps

Eine entspannte Pause im Botanischen Garten in Braunschweig
© Melina Bolopá

Ich fühle ich müde, obwohl ich lange geschlafen habe. Es gibt so viele Projekte, mit denen ich mich beschäftigen könnte und keins davon lacht mich an. Eine halbe Stunde sitze ich auf dem Sofa und zappe halbherzig durch Instagram. Ständig habe ich schlechte Laune und bin genervt, am meisten von mir selbst. Irgendwann, in einem langen Gespräch, wird mir etwas klar, was mir schon lange bewusst ist: Es muss sich etwas ändern.

Ich bin nicht faul. Ich bin auch nicht krank. Was mir schwer fällt, ist folgendes Thema: Selbstfürsorge. Jahrelang war der Gedanke in meinem Kopf: Work hard, play hard. Da gab es so viele Pläne und Träume in meinem Kopf, dass sich jeder Serienabend wie eine Verschwendung angefühlt hätte. Es haben sich Phasen, in denen ich sehr viel geleistet habe, mit Phasen, in denen ich zehn Folgen irgendeiner Serie am Stück gebinged habe, abgewechselt. Doch was ich heute will, ist: Balance. Keine Extreme, weil die immer kräftezehrend sind. Im Laufe der letzten Zeit habe ich mich mehr mit Pausen beschäftigt. Das hier sind meine Erkenntnisse, die ich gerne mit euch teilen möchte.

1. Pausen sind wichtig

Jeder, der Sport macht, weiß es: Training ohne Rest Days führt zwangsläufig zu einem Übertraining und macht dich nicht stärker. Viel hilft nicht immer viel. Manchmal sitzt man an einer Aufgabe, die eigentlich zwanzig Minuten dauern würde, zwei Stunden.  Zur Ruhe kommen ist enorm wichtig, um Energie zu tanken und die eigenen Erwartungen erfüllen zu können. Pausen sind notwendig für ein erfülltes Leben. Man muss sie sich nicht „gönnen“ oder „verdienen“. Jeder hat das Recht auf eine Pause, unabhängig von der Leistung.

2. Entspannung sieht für jeden anders aus

Für manche mag es ein Abend auf der Couch sein, für andere eine Badewanne mit einem Buch. Oder eine lange Fahrradtour. Ich liebe es, etwas Leckeres zu essen und dabei Sims zu zocken. Was mich auch sehr entspannt, sind lange Wanderungen. Für andere wäre dies allerdings eine Tortur, also bleib‘ bei dir, wenn es um Entspannung geht.

3. Versuche, nicht über die Linie zu treten

Grenzen setzen ist einfach, sie einzuhalten, manchmal schwer. Jemand ruft dich an und fragt nach einem Treffen. Wärst du mit einer anderen Person verabredet, würdest du sagen: „Danke für die Einladung, aber ich bin schon verabredet!“. Wenn es aber „nur“ um einen Abend mit uns selbst geht, kann es ungleich schwerer fallen, Nein zu sagen. Aber genau dann ist es wichtig, denn eine Verabredung mit dir selbst ist immerhin eine Verabredung mit der wichtigsten Person der Welt. Ich kann dieses Video sehr empfehlen, wenn ihr tiefer in das Thema „Grenzen“ einsteigen möchtet.

4. Plan‘ dich ein

Manche Menschen – so wie ich – lieben es, zu planen und ihren Alltag zu strukturieren. Gerade dann ist es wichtig, nicht nur Zeit für Aufgaben einzuräumen, sondern auch Zeiträume, die absichtlich mit „Nichts“ gefüllt sind oder mit Pausen, die einem gut tun. Diese sollte man dann auch physisch in den Kalender eintragen und auf jeden Fall einhalten. Mit genügend dieser geplanten Pausen umgeht man die Gefahr, nach Monaten für Tage müde zu sein. Ich nutze den Planner von einguterplan und bin sehr zufrieden.

5. Enttäuschungen aushalten

Es gab eine Zeit zum Ende meines Studiums, als ich einen Umzug und die Endphase meiner Masterarbeit inklusiven Monaten der erfolglosen Bewerbungen meistern musste. Ich hatte gerade so die Zeit, mich ein bisschen um mich selbst zu sorgen. Eine Freundin hätte mich zu der Zeit gebraucht, auf eine Art, die ich ihr aufgrund der Situation nicht geben konnte. Ich habe monatelang darunter gelitten, wie enttäuscht sie von mir war. Trotzdem ist es wichtig, sich zuerst einmal um sich selbst zu kümmern. Das ist kein Egoismus, das ist Selbstfürsorge. Vielleicht verlierst du dadurch einen Freund oder eine Beziehung, aber wenigstens nicht dich selbst.

6. Mutig sein

Zu sagen, dass man keine Zeit oder Lust auf ein Treffen hat oder einfach das Bedürfnis, den ganzen Tag im Bett zu bleiben, kann unangenehm sein. Oder das fünfhunderste Projekt ohne Bezahlung nicht zu machen, weil man dafür keine Zeit hergeben möchte. Absagen kann weh tun, auf beiden Seiten. Nicht zu einem Familientreffen zu gehen, weil man weiß, dass es in Tränen enden wird. Aber genau das ist wichtig. Denn selbst wenn andere Menschen dann traurig oder wütend sind, sind sie es, weil du ihre Erwartungen nicht erfüllst, also etwas, das in ihrem Kopf stattfindet. Du hast das Recht, so zu leben, wie es dir gefällt und Nein zu sagen, wenn du es brauchst.

7. Akzeptiere, was (nicht) ist

Manchmal wünscht man sich, man könnte fünf Sachen gleichzeitig mit einem Lächeln jonglieren. Und das ist auch möglich, aber: nicht immer. Und die Zeiten zu akzeptieren, in denen das nicht möglich ist, ist lebenswichtig. Solange du deinen notwendigen Pflichten nachkommst, wie deine Kinder zu betreuen, deinen Job gut zu leisten oder deine Studienleistungen zu erfüllen, solltest du gütig zu dir sein, was alle „Extra“-Pflichten angeht. Einfach hinsetzen, durchatmen und akzeptieren, dass aktuell die Motivation, Zeit oder körperliche Kraft fehlt, kann dabei helfen, dass eben diese Attribute wieder zurückkommen – weil du sie nicht zwingst. Stress entsteht im Kopf und kann auch dort wieder gehen.

8. Erstmal einen Apfel essen

Schlaf, Ernährung, Bewegung – die Grundpfeiler eines gesunden Lebens. Bevor du an all deinen anderen Projekten arbeitest, solltest du dich um diese Punkte kümmern. Denn nur ein gesunder, fitter Körper kann dich lange durch den Alltag tragen. Und ja, es ist in Ordnung, ein Training im Fitnessstudio oder einen Lauf im Wald einem Kinoabend vorzuziehen, ohne direkt sportsüchtig zu werden. Oder um 21 Uhr ins Bett zu gehen, auch wenn die Küche noch nicht aufgeräumt ist. Wenn deine Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, wird es schwer, die Bedürfnisse anderer auf Dauer zu unterstützen und deine Verpflichtungen zu erfüllen.

9. Den Prozess genießen

Auch wenn ich all diese Tipps aufschreiben kann und weiß, wie wichtig es ist, mich zu entspannen und auf meine Bedürfnisse zu hören: Auch ich schaffe es nicht immer. Es gibt Tage, an denen ich mich ärgere, weil ich über meine Grenzen gehe oder nicht offen kommuniziere und anderen somit die Chancen nehme, mich in meinem Alltag zu unterstützen oder mich zumindest zu verstehen. Ich versuche mir zu verzeihen und zu sehen, dass auch das Thema Selbstfürsorge ein Lernprozess ist und nichts, was von heute auf morgen ins Gehirn gepflanzt ist. Um dir den Prozess immer wieder in Erinnerung zu rufen, kannst du dir Notizen in dein Tagebuch oder Journal schreiben. Es gibt einige gute Bücher zum Thema Selfcare, wie das Buch „Halt‘ die Klappe, Kopf!“ oder auch tolle Ted Talks wie „How to make stress your friend“, die dir helfen können, einen besseren Bezug zu dir selbst zu finden und dein Leben voll auszuschöpfen.

Nicht vergessen – ein entspanntes Leben mit genügend Pausen zu führen ist Liebe für den wichtigsten Menschend der Welt: dich selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.