Der Kampf mit dem leeren Blatt

Wie man erfolgreich Arbeiten für die Uni verfasst

Ich bekenne mich schuldig. Als ich mit siebzehn Jahren (ich war noch einer der Jahrgänge, die nach 12 Jahren Abitur machen konnten) die Wahl treffen musste, welches Fach ich studieren möchte, brachte ich vor mir selbst folgendes Argument: Ich lese gerne und außerdem waren Deutsch und Geschichte meine Lieblingsfächer in der Schule. Limitiert aufgrund meines sehr durchschnittlichen Notendurchschnitts wurde es dann auch eben das: Germanistik und Geschichte.

Schnell habe ich gelernt, dass Hausarbeiten schreiben sehr wenig mit meinem Hobby „Gedichte schreiben“ zutun hatte, denn: Es ging nicht um mich, sondern um ein Thema. Und es gab Fußnoten. Viele Fußnoten… Nach einem Bachelorstudium, dass so semi-gut lief und einem Masterstudium, in dem ich wesentlich bessere Noten geschrieben habe und mit dem ich voll und ganz zufrieden bin, sind hier meine Tipps, wie man Haus- und Abschlussarbeiten überlebt und möglichst entspannt durch die Schreibphase kommt.

1. Ziele setzen

Im ersten Studium wollte ich bestehen, im zweiten zusätzlich noch guten Noten schreiben. Ja, das spiegelte sich tatsächlich auf dem Papier wieder. Nicht, weil ich auf einmal viel besser schreiben konnte, sondern weil ich mir andere Ziele gesetzt habe.

Die erste Frage ist also: Will ich bestehen oder will ich möglichst gut bestehen?

Ich habe beides schon gemacht und ich finde, nichts davon ist gut oder schlecht. Je wichtiger das Ergebnis der Hausarbeit ist, umso mehr Zeit sollte man dafür einplanen. Und gerade für Abschlussarbeiten, die sich über mehrere Monate ziehen, ist es wichtig, das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, um sich an den einzelnen Tagen motivieren zu können.

2. Pläne schreiben

Dieser Punkt ist nicht für jeden etwas. Es soll Menschen geben, die ihre Hausarbeit an einem Abend schreiben. Das habe ich einmal gemacht und dann nie wieder. Wem diese Art zu schreiben aber am meisten liegt, der kann diesen Punkt getrost überspringen.

Für alle anderen: Realistische Pläne sind der beste Weg zum Ziel. Ich habe mir für jeden Tag aufgeschrieben, was ich erreichen möchte. Vor allem bei langfristigen Projekten, wie der Masterarbeit, hilft das. Realistische Ziele setzen bedeutet, dass man an einem Tag auch mal nur einen Aufsatz fertiglesen muss und dann den Laptop zuklappt. Ja, wirklich.

Ich bin sogar so weit gegangen, dass ich mir jeden Tag durchgeplant habe, mit allen Aktivitäten, Aufgaben und Schreibzielen, die ich für diesen Tag hatte. Und eins solltest du nicht unterschätzen: Literatur lesen, verstehen und weiter recherchieren kann sehr viel Zeit kosten. Meine Pläne habe ich mir gut sichtbar über meinen Schreibtisch gehangen. So wusste ich, was für den Tag ansteht und musste keine Zeit mehr an die Organisation „verschwenden“. Und ähnlich wie bei To-Do-Listen war es ein sehr befreiendes Gefühl, am Ende des Tages die Tagesaufgaben abhaken zu können.

3. Schreiben als Arbeit sehen

Selbst wenn man gerne oder oft schreibt, ist Schreiben immer noch Arbeit. Wie beim Sport kann das auch anstrengend sein, weh tun und es gibt Tage, an denen die eigene Performance einfach extrem schlecht ist. Das ist okay. Niemand kann jeden Tag hundert Prozent geben.

Deswegen behandle ich den Schreibtisch bis heute auch als Arbeitsplatz. Das solltest du auch tun. Also räume ihn auf, wenn du ihn verlässt. Lass kein benutztes Geschirr herumstehen. Wenn du Zuhause nicht arbeiten kannst, geh in die Bibliothek, ein Café oder in den Keller deines Elternhauses. Ich habe nicht im Etuikleid vor dem Computer gesessen, aber es hilft mir bis heute ungemein, mich morgens für die Schreibarbeit „fertig zu machen“. Also: Zieh deinen Schlafanzug aus. Glaub mir, das fühlt sich besser an. Und man gerät seltener in Panik, wenn es überraschend klingelt.

4. Grundbedürfnisse befriedigen

Um ehrlich zu sein, habe ich nie verstanden, wieso Menschen in Phasen einer Abschlussarbeit aufhören zu duschen oder ihre Partner anschreien. Diese fünf Minuten „Extrazeit“ für Körperpflege werden das Ergebnis der Arbeit nicht bahnbrechend verändern. Duschen und Zähne putzen macht die Schreibphase nicht nur für dich erträglicher, glaub‘ mir. Trotz Stress kann man seine Bedürfnisse äußern, ohne den anderen anzugreifen. Meistens will die andere Person einem nur helfen.

Du solltest gesund sein, um schreiben zu können. Gesundes Essen kann auch schnell gehen und versorgt deinen Körper so, wie er es in diesem Moment braucht. Dafür kann man sich vor der „heißen Phase“ den Gefrier- und Kühlschrank vollstopfen mit Gemüse und Obst und Datteln. Wasser sollte dein Lebenselixier werden, also immer eine Flasche oder ein großes Glas an den Tisch stellen. Und auch weiter zum Sport zu gehen, ist nicht verkehrt. Achte auf deine mentale und körperliche Gesundheit, denn du bist der wichtigste Bestandteil dieser Arbeit.

Im besten Falle gibt es für dich auch genug Schlaf. Entwickele feste Schlafens- und Aufstehzeiten. Das hat vor allem bei meiner Masterarbeit gut funktioniert, so dass ich nie bis nach zwölf Uhr in der Nacht schreiben musste und trotzdem ein gutes Ergebnis hatte.

5. Nicht auf andere hören

Ja, ich bemerke die Ironie dieses Satzes in diesem Post. Was ich damit meine: Vergleich‘ deinen Schreibprozess nicht mit anderen. Nur weil Emma fünf Nachtschichten in der Woche eingelegt hat, heißt es nicht, dass deine Arbeit schlechter wird, weil du lieber morgens arbeitest und früh ins Bett gehst. Auch wenn Jonas dreißig Interviews für seine Bachelorarbeit geführt hat, heißt es nicht, dass deine mit fünf Interviews schlecht sein muss. Du brauchst dich nicht vergleichen. Du gehst deinen eigenen Weg. Deine Arbeit ist deine Arbeit und sie ist so gut, wie du sie schreibst. Egal, um welche Uhrzeit und mit wie viel Drama.

6. Ehrlich sein

Sei ehrlich, vor allem zu dir selbst. Du kennst dich selbst am besten. Ich wusste zum Beispiel, dass es mir unglaublich schwer fällt, morgens aufzustehen, wenn kein fester Termin in meinem Kalender steht. Also habe ich mir Arzt- und Unitermine generell so früh wie möglich gelegt und mich oft auf einen Kaffee mit meiner besten Freundin verabredet, wenn das Unicafé geöffnet hatte. Ich hatte dann einen Grund, mich morgens um acht Uhr aus dem Haus zu bewegen und mir fiel es direkt einfacher, mich danach an den Schreibtisch zu setzen.

In schlechten Momenten oder bei akutem „leeres-Blatt-Syndrom“ solltest du dich offen mit anderen Menschen darüber austauschen. Denn: solche Momente kennt jeder. Du bist damit nicht alleine.

7. Sich helfen lassen

Ich würde jedem empfehlen, mindestens ein bis zwei Freund*innen oder Kolleg*innen über die Arbeit lesen zu lassen. Irgendwann wird man schreibblind und steckt so tief im Thema, dass ein Blick von außen noch einmal komplett neue Impulse geben kann. Außerdem hilft es zu wissen, dass die eigenen Zweifel etwas zu groß sind und die eigene Arbeit nicht so dumm klingt, wie man glaubt. Bei großen Arbeiten kann man auch einmal das Geld investieren und ein professionelles Lektorat in Anspruch nehmen.

Du hast schon einmal eine Hausarbeit geschrieben, die keine gute Note hatte? Perfekt. Wenn du klug bist, liest du dir die Kommentare am Rand genau durch und besuchst die Sprechstunde in der Universität, um aus deinen Fehlern zu lernen. Die meisten Lehrpersonen sind keine Monster, sondern freuen sich, wenn du ehrlich daran interessiert bist, etwas zu verbessern.

Außerdem solltest du ehrlich kommunizieren, wenn dir etwas zu viel wird, du Ruhe brauchst oder nicht mit ins (Auto-)Kino kommen kannst. Niemand wird dir böse sein.

8. Fertig werden

Vor allem bei schriftlichen Arbeiten ohne Deadline kann der Punkt sehr wichtig sein. Irgendwann reicht es. Man kann wahrscheinlich immer noch etwas finden, dass man an der Arbeit verbessern kann. Jedoch ist irgendwann die Zeit gekommen, zufrieden mit dem unperfektem Ergebnis zu sein, die Arbeit zu drucken und abzusenden und sich danach als Belohnung eine Limo aufzumachen. Egal, wie die Note letztendlich ausfällt, du kannst und solltest stolz auf dich sein, dass du diese große Leistung vollbracht hast. Du hast dein Bestes gegeben. Das zählt.

Eine schriftliche Arbeit ist kein Hexenwerk! Ich hoffe, diese Tipps konnten dir weiterhelfen. Viel Erfolg beim Schreiben!

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