Rezension: Starkes weiches Herz

Das hier wird meine erste Rezension seit langer Zeit und vor allem die erste, die ich für mein eigenes Medium schreibe. Ich denke, ein bisschen Herzklopfen gehört dazu, aber ich könnte mir kein anderes Buch vorstellen, das sich besser dafür eignen würde.

Titel: Starkes weiches Herz – wie Mut und Liebe unsere Welt verändern können

Autorin: Madeleine Darya Alizadeh (dariadaria)

Verlag: Ullstein Leben

ISBN:  9783963660580

Mehr offizielle Informationen gibt’s hier.

Worum geht’s?

„Starkes weiches Herz“ von Madeleine Alizadeh, auch bekannt in den sozialen Medien als dariadaria, wurde im Jahr 2019 viel besprochen. Die Rezensionen auf Amazon fallen sehr unterschiedlich aus, von „Ach ich liebs einfach!“ bis „leider enttäuschend“ ist alles an Meinungen dabei, Grund genug, sich eine eigene zu bilden. Im Buch soll es, laut Klappentext zumindest, um Gedanken zu verschiedenen Themen wie Feminismus, Gleichberechtigung und Klimawandel gehen. Ein weiteres wichtiges Thema scheint der Autorin, die unter Influencern bekannte „Authentizität“ zu sein. Meiner Meinung nach ist das Buch als Mischung aus Ratgeber und Biografie zu sehen.

Meine Lesemotivation:

Ich liebe Lebensgeschichten, ich liebe Ratgeber und liebe den Content von dariadaria. Schon lange verfolge ich die Verwandlung der Onlinepersönlichkeit Madeleine Alizadeh von einer Modebloggerin ohne besondere Botschaft zu einer Autorin mit Inhalten, die mich auch in meinem Alltag beschäftigen: Wie finde ich Erfüllung? Wie schaffe ich es, bei all dem Unglück und den Krisen um mich herum, ein glückliches Leben zu führen? Was bedeutet Nachhaltigkeit für mich?

Vor allem in der momentanen Situation, in der wir alle mehr oder weniger in einer Krise stecken, ist dieses Buch aktueller denn je.

Mein Eindruck:

Zuallererst: Ich bin eine Anhängerin des Prinzips der Selbstverantwortung und mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich dieses Buch gelesen. Zweimal. Das Buch ist in sieben Kapitel geteilt, die jeweils versuchen, eine Frage zu beantworten, wie: „Was will ich eigentlich?“. Jedes dieser Kapitel ist noch einmal in Unterabschnitte unterteilt, so dass man eine Ahnung erlangt, was im nächsten Textabschnitt behandelt wird.

Ich bewerte dieses Buch als eine großartige Möglichkeit für jeden, der ein Stück hinter die Fassade des eigenen Lebens blicken möchte. Madeleine setzt sich in diesem Buch mit vielen Aspekten des Lebens auseinander, wie Druck und Stress, Arbeitsbelastung und die richtige Balance innerhalb des eigenen Lebens, aber auch Themen, die vielleicht nicht bei jedem von uns täglich präsent sind, wie das Thema „Intersex“. Mir fehlt der rote Faden nicht, da meiner Meinung nach die Autorin selbst der rote Faden ist, der sich durch die verschiedene Kapitel zieht.

Mir gefallen die Anekdoten aus ihrem eigenen Leben, da sie die Aspekte, die sie erwähnt, direkt anhand ihrer Biografie aufzeigt und emotionalisiert. Für mich sind mit Emtionenen verbundene Gedanken besser nachfühlbar. .

„Die Erlaubnis, ehrlich sein zu dürfen, geben wir nicht nur uns selbst. Gesellschaftlich muss sich noch so vieles ändern, bis es Menschen erlaubt sein wird, offen über alles zu sprechen.“

S. 196

Ich habe das Gefühl, dass sie den Anfang macht und ehrlich über alles schreibt, was sie denkt. Eine „Selbstbeweihräucherung“ (ein weiteres Zitat aus einer Rezension) kann ich in keiner einzigen Zeile feststellen. Ja, Madeleine redet von ihren Erfolgen, von ihren gemeisterten Herausforderungen, von den Schwierigkeiten als Selbstständige, Kreative und Person des öffentlichen Lebens. Und genau das ist es, was wir alle tun sollten. Denn über die eigenen Erfolge zu sprechen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man zum größten Narzissten der Welt mutiert. Stolz auf sich und den eigenen Lebensweg zu sein, so sehr, wie man auch auf eine beste Freundin stolz wäre, ist für mich ein wichtiger Akt der Selbstfürsorge. Positiv von sich selbst zu sprechen ist kein negativer Charakterzug. Darüber hinaus war es spannend zu sehen, ob das Leben der Autorin so ist, wie ich es mir vorgestellt habe und bin ihr dankbar für ihre Offenheit, die sie um einiges verletzlicher macht, als hätte sie eine theoretische Abhandlung über verschiedene philosophische Strömungen zum Thema Glück geschrieben.

Viele Textpassagen hallen noch einige Zeit nach und bringen zum Nachdenken, über das eigene Leben und den Umgang mit dem, was uns (nicht) in den Schoß fällt. Druck und Erwartungen von außen, Beruf oder Berufung, Vergleiche mit Personen im Internet – das sind Themen, die viele Millenials betreffen und wahrscheinlich vor allem die Personen, die es gewohnt sind, viele Möglichkeiten im Leben zu haben.

„Ich wünsche jedem Menschen von Herzen, dass er oder sie seine oder ihre Träume verwirklicht. Und dazu gehört es zu sagen, dass träumen allein nicht reicht.“

S. 124

Schon bevor ich mit dem Lesen begann, war mir bewusst, dass dieses Buch keineswegs allgemeingültige Lösungen zum Glücklichsein bietet, sondern Ansätze zum Weiterdenken, so wie ein gutes Gespräch es auch tun würde. Ich finde die Kritiken unberechtigt, die ihr folgendes ankreiden: Dass im Buch der Eindruck entstehen würde, für das eigene Glück wäre man selbst verantwortlich. Nicht, weil ich diesen Eindruck nicht hatte, sondern weil es mich überrascht, dass Menschen diese Meinung nicht teilen. Ja, wir werden in Umstände hinein geboren und können auch im weiteren Lebensverlauf nicht alles beeinflussen, was uns passiert.

Aber: wir sind selbst verantwortlich für das, was wir aus unserem Leben machen, was wir denken, was wir fühlen und wie wir uns gegenüber uns selbst und anderen verhalten. Das zeigt die Autorin eindrucksvoll anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte.

Fazit:

Zusammenfassend denke ich, dass dieses Buch allen Menschen gefallen wird, die mit einem offenen Herzen und einem wachen Kopf durchs Leben gehen und nicht davor scheuen, sich auch mit den ungezuckerten Seiten des Lebens und des eigenen Seins auseinanderzusetzen. Wer Literatur sucht, die weiterhin die Glaubenssätze in der kleinen „Die anderen sind schuld!“-Blase unterstützt oder wer Internetpersönlichkeiten grundsätzlich negativ gegenübersteht, ist mit diesem Buch falsch bedient. Allen anderen könnte es große Freude bereiten. Ich bin sehr dankbar für dieses Buch und das positive Leseerlebnis.

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